Master of Disaster: Marcos Blog!

Donnerstag, 2. September 2010
WORK-LIFE-BALANCE

Haben Sie eine ausgewogene Work-Life-Balance?

Ein Begriff, der oft in einem Atemzug mit Burnout oder gar Mobbing genannt wird. Inflationär verwendet. Ein Begriff, der kaum noch haltbar ist, denn der, welcher danach funktioniert, beginnt meist erst nach 17.00 Uhr zu leben (oder wann er immer Feierabend hat).

Professor Thomä von der Uni St. Gallen bringt es auf den Punkt:

„Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine unglaublich traurige Annahme, nämlich die, dass man eben nicht lebt, wenn man arbeitet. Die Arbeit hat dann ihren Sinn und Zweck allein in dem Scheck, den man für sie bekommt. Dies ist ein Armutszeugnis.“

Bert Brecht hat es noch mehr auf den Punkt gebracht:

„Alles, was keinen Spass macht, nennt man Arbeit.“

Tut schon fast physisch weh auf der Netzhaut, wenn man dies liest.

Noch schlimmer ist der vor allem in postfeministischen Kreisen verwendete Begriff der Doppelbelastung im Zusammenhang mit Beruf und Familie. Impliziert eine ausschliesslich negative Lebenshaltung. Man könnte doch auch von Doppelerfüllung sprechen oder sind alle Familiengründungen mittlerweile unfreiwillig?

Oder wenigstens als Kompromiss: Spagat zwischen Belastung und Erfüllung? Wobei hier durchaus Beruf und Familie nicht immer nur für das gleiche Eine oder Andere hinhalten müssen.

Vorschlag: Ersetzten wir doch Work-Life-Balance durch Life-Balance. Wie kommt das an?

Auch in meiner Arbeit ist nicht alles toll und misanthrope Sehnsüchte entstehen durchaus. Aber oft arbeite ich gerne in der Freizeit oder empfinde freizeitähnliche Gefühle während der Arbeit. Auch wenn ich manchmal nur noch leer bin und dann auch kein Blog mehr entsteht. Wie in den letzten Tagen. Flasche leer, habe fertig.

Dann muss ich auftanken. Werde ich nächste Woche machen. In Barcelona, meiner Mutterstadt. Ab Donnerstag. Misanthrop-alleine.


© Dr. med. Marco Caimi

Montag, 16. August 2010
ZEIT II

In Michael Ende’s Roman „Momo“ treten graue Männchen als Zeitdiebe auf. Der römische Staatsmann und Philosoph Seneca (0-65 n. Chr.) warnte bereits damals in seinem Essay „Von der Kürze des Lebens“ vor ihnen (bevor er sich auf Kaiser Neros Befehl das Leben nahm):

„Gilt es das Vermögen zu wahren, dann sind die Menschen zugeknöpft; steht aber Zeit auf dem Spiel dann geben sie sie mit vollen Händen aus, während doch gerade hier der Geiz eine Tugend wäre.“ Und dies vor der Erfindung von TV und Internet... Aktiv fordert uns Seneca auf und heraus: „ Nun gib Rechenschaft von deinen Jahren! Sag uns, wie viel Zeit dich dein Gläubiger gekostet hat, wie viel deine Geliebte! Wie viel dein Vorgesetzter, wie viel dein Klient, wie viel der Hader mit deinem Weib, wie viel die Schererei mit deinen Sklaven und wie viel deine dienstbeflissenen Rennereien in der Stadt. Denk daran, wie viele sich an deinem Leben bereicherten, ohne dass du den Verlust gewahr wurdest, wie teuer dich Kummer zu stehen kam, leidenschaftliche Gier und tändelnde Unterhaltung, wie wenig dir verblieb, von dem, was du besassest – denk an all dies, und du wirst zugeben müssen, dass du als unreife Frucht vom Lebensbaume fällst.“
Weiter gibt er zu bedenken: „Graues Haar und Falten sollen dir kein Zeichen sein für eine lange Lebenszeit; ein solcher hat nicht lange gelebt, sondern er ist nur lange da gewesen.“

Aus Seneca’s Erkenntnissen können wir den Schluss ziehen, dass wir lernen müssen, auch mal wieder faul zu sein. Die Philosophin Rebekka Reinhard schreibt dazu: „ Aus philosophischer Sicht ist Faulheit keineswegs gleichbedeutend mit passivem Nichtstun: Faulheit heisst: absichtlich nicht das tun, was wir tun müssen – sondern das tun, was wir tun sollten, und zwar genau jetzt.“

In schöngeistiger Literatur lesen wir statt Faulheit oft von Musse. Ein Wort, das aus dem Althochdeutschen stammt und ursprünglich heisst: „Gelegenheit oder Möglichkeit, etwas tun zu können“.

Es gilt, wie in meinem Buch „Energie, Emotionen, Erwachen“ beschrieben, zu bedenken, dass die Kardinalwährung der heutigen Zeit nicht Zeit, sondern Energie ist. Und diese lässt sich in der Zeit zur Musse am besten auftanken.

© Dr. med. Marco Caimi

„ENERGIE-EMOTIONEN-ERWACHEN: Persönliches Energiemanagement für unsere 24h-Gesellschaft“. Dr. med. Marco Caimi; Verlag pro business, Berlin, CHFr. 29.80. Erhältlich auf dieser Homepage oder unter martin.gfeller@aequilibris.ch; 0041 61 225 92 77.




Sonntag, 15. August 2010
ZEIT

„Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.“

Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Haben Sie Zeit? Dann gehören Sie zu den wenigen Glücklichen. Oder doch nicht? Keine Zeit zu haben ist doch für uns zu einem Statussymbol geworden. Wie gestresst zu sein. Wer Zeit hat und nicht gestresst ist, macht sich verdächtig, ein Sozialschmarotzer zu sein. Zu viel Zeit zu haben ist für uns schon fast eine Qual. Möglichst rasch wollen wir zurück in den erlauchten Kreis der Gehetzten, der Zeitlosen. Novalis bemerkte richtig: „Das Leben ist kurz, wo es lang, und lang, wo es kurz sein sollte.“

Die Philosophin Rebekka Reinhard schreibt von einem Zeitmonster, das schuld an diesem „Entweder-Oder“ ist: „ Das Zeitmonster hat nichts anderes zu tun, als mit seinem Riesenrüssel das Hier und Jetzt aufzusaugen. So erklärt sich, warum unsere Gedanken meist dort sind, wo sie nicht sein sollten: In der Vergangenheit oder in der Zukunft. Ich muss erst mal..., dann...“

Nein, dies ist nicht nur der Zeitgeist. Das Zeitmonster ist alt, uralt. Schon die alten Griechen hatten die Bekanntschaft mit ihm gemacht. Sie gaben ihm den Namen Chronos. In der griechischen Mythologie ist Chronos der Gott der Zeit. Chronos war ein besonders grausamer Gott, der seinen Vater entthronte. Um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden, verschlingt er alle seine Kinder, bis auf Zeus! Die Botschaft lautet unmissverständlich: Pass auf und gewinne Macht über dich selbst und deine Zeit, sonst wirst du von ihr verschlungen!

In Form des jüngsten Sohnes von Zeus, Kairos, naht aber Abhilfe. Kairos ist der Gott des rechten Augenblickes. Nur wer den vorbeieilenden Kairos am Schopf packt, kann sich dem Sog der Zeit entziehen. Wer aber sich ausschliesslich der Jagd nach Äusserlichkeiten widmet, treibt auf direktem Weg in Chronos Riesenschlund.

Heute regnet es. Wie wär’s mit so richtig Zeit haben?

© Dr. med. Marco Caimi


Lesen Sie morgen: Gibt es einen Unterschied zwischen Faulheit und Muss und was Seneca dazu meinte.


Freitag, 13. August 2010
JOGGENDE PSYCHIATER...

Mehr oder weniger aufmerksam lese ich die aktuelle Ausgabe der Medical Tribune. Ein Artikel weckt mein Interesse:

„Joggende Psychiater - Laufen für psychische Gesundheit rund ums KKL Luzern“. Ich blättere mich zum Artikel durch und lese und staune und glaube es kaum:

Am 20. Jahreskongress der Verbindung der psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen Ärzte und Ärztinnen der Schweiz 2010 in Luzern setzten sich die Kolleginnen und Kollegen in Bewegung. Endlich ist man geneigt zu denken, zu sagen wagt man es ja nicht, weil man sonst sofort eine Diagnose bekommen würde...

Mit einem Lauf ums KKL. „Lauf für die psychische Gesundheit.“

Aber es blieb nicht dabei: Sie unterstützten auch noch eine Verein Namens Equilibrium, der sich für depressive Menschen einsetzt....

Laufende Psychiater, Verein Equilibrium?

Zu Beginn der neunziger Jahre verbrachte ich zwei Jahre in der Psychiatrischen Uniklinik, in der ich auch meine Doktorarbeit schrieb. Jeden Mittag ging ich mit Olaf Müller, einem anderen Assistenzarzt und Langdistanz-Triathleten laufen. Meine Marathonbestzeit lag damals unter 2h 50 min. Insbesondere die Kolleginnen machten sich über uns lustig und fragten hinter vorgehaltener Hand, von was wir wohl davonlaufen würden...Sport und Psychiatrie – never ever!

ÄQUILIBRIS als Brand habe ich 1994 mit Peter d’Aujourd’hui eingeführt. Alles braucht seine Zeit. Auch Psychiater und Psychiaterinnen.Tempora mutantur!

© Dr. med. Marco Caimi

Quelle: Medical Tribune; Ausgabe vom 13. August 2010

Dienstag, 3. August 2010
ERHOLSAME FERIEN ?

Ferien haben unter vielem anderem die Funktion, für eine gewisse Erholung zu sorgen. Oder auch nicht. Bei gewissen Ferienformen, die recht häufig sind, wie beispielsweise Flugreisen an (Mittel)Meer-Destinationen zur Schulferienzeit, wage ich dies nach kürzlich gemachten Erfahrungen zu hinterfragen.

Aber der Reihe nach. Alles beginnt in Zürich-Kloten, wo ich mich mit meiner vierzehnjährigen Tochter und deren Freundin um "spätestens 11.15" einzufinden habe. Der Swiss-Flug nach Hurghada/Ägypten ans rote Meer ist um 13.15. Aha. Muss ich denn noch helfen, den Flieger zu putzen? Oder haben alle Flughafen-Arbeiter einen Rückenschaden, dass sie so lange brauchen, um 150 Gepäckstücke zu verladen? Um 13.15 ist noch kein Boarding in Sicht, die B-Gates aber rammelvoll. Es ist ja Ferienzeit. Erste Gespräche ergeben aber, dass die Zypern-Reisenden bereits gestern am gleichen Gate waren und wieder nach Hause mussten. Grund: Technische Probleme. Um 14.15 noch immer kein Boarding, immerhin erfahren die "Zyprioten", dass sie heute in 2 Stunden fliegen werden. Tosender Applaus und Hurra-Rufe, als hätten die Fluggäste einen Gratisurlaub all inclusive gewonnen. Unsereins beginnt Böses zu ahnen. Eine halbe Stunde später dann die "erlösende" Botschaft: Unser Flug findet statt, um 21.00 Uhr. Grund: Flugraumüberlastung - Gotthard-Tunnel-Syndrom Nordportal auf 30000 Fuss? Es ist noch nicht fünfzehn Uhr, wir sind auch erst vier Stunden am Airport. Nichts gegen Zürich, aber einen herbeigesehnten Ferienbeginn stellt man sich anders vor, als 10 Stunden in Kloten zu verbringen. Immerhin dürfen wir nach hochanständiger, zurückhaltender Nachfrage die nicht ganz gemütlichen B-Terminals wieder verlassen. (Am Flughafen werden ja ansonsten alle elterlich verpassten Erziehungsmassnahmen nachgeholt: Was darf ich wann wohin mitnehmen zeig alle Tascheninhalte hast du denn schon einen eigenen Laptop verdurste und verzichte auf Wasser du könntest damit ja den Piloten ertränken lass das Sackmesser hier du bekommst dann im Flugzeug aber ein Essmesser aus Stahl zieh deine Schuhe aus wenn du auf Besuch kommst lass Papi oder Mami dich mal wieder richtig am ganzen Körper knuddeln gib alles ab was du gleich danach wieder im Duty free kaufen kannst vergiss das Handy nutze lieber das gebührenpflichtige teure Flugzeugtelefon!

Mit Essen, Shop-Hopping, Lesen, Schreiben (zum Beispiel solch Hochstehendes wie der vorliegende Text), Quatschen und 23 doch nicht entwässernden Kaffees wird es allmählich 20.00 Uhr. Zurück zu den bereits ans Herz gewachsenen B-Terminals, die sich geleert haben, da Larnaca und Kreta weg sind. Panta rei - alles fliesst also wieder. Tatsächlich fliegen wir um 21.45 ab (nach 11 Airport-Stunden). Very unique. Den Grund erfahren wir auch noch: Streik der griechischen Fluglotsen lähmt Flugverkehr über Europa. Die griechische Rache an den deutschen EU-Zahlungen und an den Schweizerischen Nichtzahlungen? Im Flieger möchte man endlich seine Ruhe haben. Die vorschriftsgemäßen Durchsagen sind noch nachvollziehbar, nicht aber die läppischen Kommentare aus dem Cockpit: " Wir überfliegen jetzt Zürich, was Sie rechts unten sehen können, später Horgen und Wollerau." Es reicht mir doch schon, wenn ich diese Schweizer Suburbs auf dem Weg ins Engadin sehen darf. Muss ich mir dies alles auch noch von oben auf dem Weg in den Urlaub antun?

Um 5 Uhr morgens sind wir dann glücklich, aber etwas müde im Zimmer. Der Urlaub in Makadi Bay ist sehr schön, wir fahren an 2 Tagen insgesamt 22 Stunden Bus durch die östliche Arabische Wüste nach Luxor zum Karnak-Tempel, Pharaonen-Gräber im Tal der Könige, Hadschipsut-Tempel (1997 Terroranschlag), Memnon-Kolosse und entlang dem Golf von Suez nach Kairo ins Ägyptische Museum, zu den Pyramiden von Gizeh und der Sphynx. Eindrückliche Bauwerke und Schätze einer Kultur, die ihrer Zeit unvorstellbar voraus gewesen sein muss. Wahrscheinlich ist die ägyptische Zeit unterdessen noch nicht viel weiter fortgeschritten. Ausser den Bauwerken ist vieles am Zerfallen, ohne Öl und Tourismus wäre das Land längst pleite. Am Krassesten die Unterschiede im Ägyptischen Museum: Eine Abteilung mit den weltweit wahrscheinlich größten antiken Schätzen, u.a. dem Grabschmuck des Tut-ench-Amuns und seiner 11 kg schweren Goldmaske und 20 m daneben die abstoßendste Toilette, die ich je gesehen habe ( und ich bin hart im Nehmen....) - selbstverständlich gebührenpflichtig. Culture-Clash innerhalb der gleichen Kultur? Überhaupt geht einem diese Bakschisch-Mentalität nach einigen Stunden gehörig auf die Nerven (im Gegensatz zu den Bazar-Händlern, die die hohe Kunst der Kaltaquise herrlich beherrschen).

Da zudem unser Hotel weitgehend eine russenfreie Zone war (was zwar optisch durchaus bedauerlich ist, dafür ist gesittetes Essen,Trinken und Nachtruhe ab bereits 5 Uhr garantiert), wurde es mit den Mädels eine richtig gute Woche. Leider sind die Temperaturen um diese Jahreszeit in Ägypten bei über 40 Grad im Schatten ( und denn gibt es fast nirgends!) nicht für Outdoor-Ausdauersport geeignet. Laufen wäre nur um 5 Uhr morgens denkbar, aber dann ist es noch dunkel und in Ägypten gibt es mindestens 20 Millionen Michael Schuhmachers und nicht alle finden immer das Abblendlicht....So kamen die knapp 80 km vorwiegend auf dem Laufband im Hotel-Fitnesszenter zu Stande.

Zu überdenken wäre auch der Hotel-Swimmingpool-Bau: Offenbar ist den entsprechenden Architekten noch nicht an die Ohren gedrungen, dass es Menschen gibt, die gerne schwimmen. Ganz simpel Längen schwimmen. Und in den Ferien sogar noch Zeit dafür hätten. Und die Temperaturen Schwimmen praktisch als einzige Outdoor-Sportart zulassen. Aber was machen die studierten Konstrukteure? Sie bauen alle Formen von Pools: Kreise um Inseln, nierenförmige Becken (auch in solchen Becken wird der Urin nicht schneller gefiltert, liebe Architekten! Form not always follows function!), schildkrötenartige Pfützen, unter Brücken hindurch, mit Wasserfällen versehen - nur keine ehrlichen, gradlinigen, rechteckige Pools vernünftiger Länge zum Schwimmen!
Zurück am Airport in Hurghada treffen sich viele "Kloten-Griechen-Opfer" wieder, die einen etwas brauner, die anderen etwas röter, weitere mittlerweile dem Gigi Oeri-Fanclub beigetreten und akut gefährdet, zu Leder verarbeitet zu werden.

Wunderbar, der Flug LX 8523 ZRH ist aufgeführt, ohne Delay-Angabe. Aber da gibt es noch ägyptisches Bingo, am Flughafen Check-In genannt. Das Ehepaar in der Reihe neben uns hat zusammen 8.6 Kg Übergepäck-kein Problem, wir haben zu dritt 4,1 Kg. Von mir will der unausgeschlafene Herr hinter dem Desk 33 € für unsere 4 Kg. Meine marketingtechnischen Tourismus-Ausführungen über die Zukunft Ägyptens lassen dann den Supervisor herbeieilen (bevor sich die Pharaonen in ihren Gräbern umdrehten), der uns resp. unser Gepäck zügig durchwinkt. Und dies ohne jegliche Seitenhieb auf die Minarett-Initiative.

Am Gate herscht dann Russenstau, was mich zwei Feststellungen machen lässt:
1.Für russische Männer über 15 (= Ü 15) besteht offenbar Ranzenpflicht.
2.Übergepäck dürfte zumindest für die weiblichen Fluggäste kein Problem darstellen - so viel wie die in der Regel am Körper tragen.

Als unser Boarding auch nach bereits verstrichener Abflugzeit noch nicht bekannt ist (die Russen sind längst weg und damit auch der Wodka) kommen ungute Gefühle auf. Es ist 20.00 Uhr, wir sind erst vier Stunden am Flughafen. Ist ja noch gar nichts gegen Zürich. Gegen 21.00 erstes Auftauchen offiziell aussehender Offizieller. Eine halbe Stunde später winkt uns der am Offiziellsten aussehende der offiziell aussehenden Offiziellen in seine Nähe. 162 Leute im Halbkreis daher, denn ein Mikrofon hat er nicht. Seinen Ausführungen sind nur schwer zu verstehen, was nicht an seinen durchaus respektablen Englischkenntnissen liegt, sondern daran, dass die nicht ganz so offiziell aussehenden Offiziellen sich lautstark miteinander unterhalten - bestimmt ausschliesslich über offiziell Dienstliches. Irgendwie bekommen wir direkt und indirekt durch die altbewährte Flüsterweitergabe mit, dass eine der Notausgangstüren der Maschine nicht optimal funktioniert und deshalb nur 125 statt 162 Passagiere mitfliegen dürften. Mittlerweile taucht auch der Schweizer Flugkapitän auf,er noch eine Spur offizieller aussehend als der bisher Offiziellste der Offiziellen, und teilt mit, dass alle hier bleiben müssten, da wir nach 00.30 Uhr in Zürich landen würden - nicht möglich wegen des Nachtflugverbots ( selber betroffen bekommt auch Fluglärm einen ganz neuen Aspekt....). Leider sei heute den ganzen Tag kein ägyptischer Mechaniker aufzutreiben gewesen (kein Feiertag, normaler Arbeitstag), um den Defekt zu reparieren. Es bleibe die Hoffnung, dass dies über Nacht geschehen würde. Ansonsten bräuchte es 37 Freiwillige, die irgendwann auf irgendeinem Weg nach Zürich transportiert würden ( evtl. auch pc = per camel?). Aber er müsse jetzt wegen den Vorschriften mit seiner Crew (!) schlafen gehen (have fun!). Alles andere würde das Bodenpersonal machen. Gute Nacht und bis morgen. Dies seine offizielle Ansprache an seine ihm anvertrauten Kamele, sorry Schafe. Trust me, I'm your rock!

1 Stunde später dann die Mitteilung des Oberoffiziellen, dass man das Hilton Hotel für uns alle gefunden hätte und die Tür repariert sei. Abflug am nächsten Morgen um 10.25 Uhr. Die Stimmung bleibt erstaunlich ruhig und sehr anständig. Proudly Swiss! Und es gilt die alte Reiseweisheit für solche Situationen: Get and share good company! Die Toiletten sind längst unbrauchbar, entweder verstopft oder vollgekotzt, noch immer aber gebührenpflichtig und der Airport-Abend chillt ganz gemütlich und amusing vor sich hin.
Nach wiederum 7 Airport-Stunden verlassen wir nach erneuter Einreise nach Ägypten (juhui!) und Gepäckentgegennahme denselben wieder. Um ein Uhr liegen wir in unseren Betten im Hilton, müde aber glücklich. Paris war allerdings nicht zu sehen.
Um 7 geht's zurück zum Airport, wo, man glaubt es kaum, alles bestens funktioniert. Auch die defekte Türe scheint gut geschlafen und geträumt zu haben und präsentiert sich in makellosem weissem Tyler Brûlee-Swiss-Glanz. Nanana, das kleine Miststück....
Um 13.15 Uhr landen wir in Zürich und um 15.30, nach einem letzten hektischen Gleiswechsel in ZRH-Kloten, sind wir in Basel. In dieser Woche haben wir

• 21 Stunden am Airport
• 8 Stunden im Flugzeug
• drei Stunden im Zug
• 22 Stunden

im Bus verbracht. Eine Woche, auch eine Ferienwoche übrigens, hat 168 Stunden. Wie ich erfahren habe, soll am oder auf dem Gotthard ein neues, schönes Hotel frisch eröffnet haben. Und bald gibt es ja auch in Andermatt "a Touch of Egypt". Echte Alternativen und erst noch ohne Zürich!

Dr. med. Marco Caimi

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